Warum uns ein Vorfall in Stendal auch in Waren angeht
In Stendal (Sachsen-Anhalt) sollen am Donnerstagabend zwei Jugendliche ein Wahlplakat der AfD beschädigt haben. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll ihnen dabei ein Europaabgeordneter der AfD mit einem Baseballschläger aufgelauert und einen 14-Jährigen verletzt haben. Der Junge kam mit einer Platzwunde ins Krankenhaus. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ermittelt.
Der Vorfall hat sich nicht bei uns ereignet. Und er geht uns trotzdem alle an. Denn auch bei uns ist Wahlkampf: Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Auch bei uns hängen Plakate, auch bei uns liegen Nerven blank. Deshalb sagen wir es so deutlich wie möglich – und zwar in beide Richtungen:
Erstens: Wahlplakate zu zerstören ist keine Meinungsäußerung und kein Kavaliersdelikt, sondern Sachbeschädigung nach § 303 Strafgesetzbuch – und damit eine Straftat, auf die bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe stehen. Strafbar ist übrigens schon das Übermalen oder Bekleben, und strafmündig ist man ab 14. Das gilt für die Plakate aller Parteien. Wer für Demokratie einstehen will, tut das mit Argumenten, mit Engagement und an der Wahlurne. Nicht durch das Zerstören von Plakaten.
Zweitens: Nichts – wirklich gar nichts – rechtfertigt es, Kindern mit einem Baseballschläger aufzulauern. Wer eine Straftat beobachtet, ruft die Polizei: 110. In unserem Rechtsstaat liegt das Gewaltmonopol beim Staat, nicht bei Einzelnen, die sich zu Richter und Vollstrecker in einer Person machen. Selbstjustiz schützt die Demokratie nicht – sie ist ein Angriff auf genau die Ordnung, die uns alle schützt. Dass der Abgeordnete den Abend laut Medienberichten hinterher selbst als Erfolg darstellte, macht es nicht besser: Wer Selbstjustiz als Heldentat verkauft, beschädigt den Rechtsstaat mehr als jedes zerschnittene Plakat.
Ein beschädigtes Plakat lässt sich neu drucken. Das Vertrauen eines 14-Jährigen in Erwachsene, in Politik und in den Rechtsstaat nicht.
Unser Appell – an Parteien, an Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer, an Jugendliche, an uns alle in Waren und in ganz Mecklenburg-Vorpommern: Streiten wir! Hart in der Sache, laut und leidenschaftlich. Aber gewaltfrei. Keine zerstörten Plakate. Keine Drohungen. Keine Schläger. Wenn ihr Zeugin oder Zeuge einer Straftat werdet, ruft die Polizei. Und wenn euch der Ton in diesem Wahlkampf Sorgen macht: Sprecht uns an.
Demokratie heißt, Konflikte ohne Gewalt auszutragen. Genau dafür stehen wir. Gerade jetzt.
Warener Demokratiebündnis · Waren (Müritz), 15. August 2026
Quelle: DER SPIEGEL, 14.08.2026




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