Demokratie konkret: strategisch wählen mit zwei Stimmen

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Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag – zum ersten Mal ab 16. Auf dem Stimmzettel habt ihr zwei Stimmen, und wie viel sie bewirken, hängt davon ab, wie gut ihr das Wahlsystem kennt. Ein Teil unserer Erklärserie zur Landtagswahl.

Zwei Stimmen, zwei Aufgaben

Mit der Erststimme wählt ihr eine Person: Wer in eurem Wahlkreis vorn liegt, zieht direkt in den Landtag ein – 36 der 71 Sitze werden so vergeben. Die Zweitstimme ist die mächtigere: Sie entscheidet, wie viele Sitze eine Partei insgesamt bekommt – und damit, welche Mehrheiten in Schwerin überhaupt möglich sind.

Tabelle mit Koalitionsoptionen und Sitzverteilungen für die Bundestagswahl, einschließlich der Parteien SPD, Linke, CDU und Grüne, mit Angaben zur Sitzanzahl und Bewertungen der Optionen.

Die 5-Prozent-Hürde entscheidet mit

In den Landtag kommen nur Parteien mit mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen. Alle Stimmen für Parteien darunter verfallen bei der Sitzverteilung – und stärken damit rechnerisch die Parteien, die es über die Hürde schaffen, am meisten die stärkste. Zur Einordnung die jüngste Umfrage (INSA für den Nordkurier, 13. August): AfD 36, SPD 29, Linke 11, CDU 10, Grüne 5, BSW 4, FDP 3 Prozent – bei rund drei Punkten Unschärfe. Gleich mehrere Parteien liegen also an oder unter der Hürde. Ob sie einziehen, ist offen – und genau hier setzt strategisches Wählen an.

Kleine Verschiebungen, große Wirkung

Rechnet man solche Umfragen in Sitze um, hängen die Mehrheiten im neuen Landtag an wenigen Zehntelpunkten: Zieht eine Partei knapp ein oder scheitert sie knapp, verschieben sich sämtliche Sitze – Bündnisse, die heute rechnerisch möglich wären, sind es dann nicht mehr, andere werden es plötzlich. Strategisch wählen heißt deshalb, nicht nur zu fragen: „Wer überzeugt mich?“, sondern auch: „Was bewirkt meine Stimme im Ergebnis?“ Beides ist legitim – wichtig ist, dass ihr die Wirkung kennt, bevor ihr euer Kreuz setzt.

Text über strategische Wahlentscheidungen mit drei Leitfragen für Wähler.

Überparteilich, aber nicht neutral

Als Bündnis empfehlen wir keine Partei – das werden wir nie tun. Neutral sind wir trotzdem nicht: Menschenwürde, Rechtsstaat und eine offene Gesellschaft stehen für uns nicht zur Disposition. Mehrheiten, die das verteidigen, entstehen nicht von allein – sie werden gewählt. Deshalb unsere Bitte: Nutzt beide Stimmen bewusst. Informiert euch, zum Beispiel im Wahl-O-Mat. Und geht wählen – per Briefwahl schon jetzt oder am 20. September im Wahllokal.

Zahlen: INSA im Auftrag des Nordkurier, veröffentlicht 13.08.2026, dokumentiert auf wahlrecht.de; Sitzverteilung nach dem Landeswahlgesetz M-V (71 Sitze, davon 36 Wahlkreise). Umfragen sind Momentaufnahmen, keine Prognosen.

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